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Gebrauchter Hund
- nur zweite
Wahl? -
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Immer wieder trifft man
Hundebesitzer, die völlig überzeugt
die Meinung verteten, Tierheimhunde oder erwachsene Hunde, die von
privat
weitervermittelt wurden, seien alle verhaltensgestört. Selbst
verständlich
hatten diese Menschen nie selbst einen Hund aus zweiter Hand. Freunde,
Bekannte oder Zeitungen werden zitiert, die angeblich diese oder jene
schlechte
Erfahrung gemacht hatten. Warum nur trifft man diese Freunde oder
Bekannten
nie persönlich? Kann es sein, daß sie ein Produkt
pessimistischer
Phantasien sind?
Mein erster Hund war ein Dalmatinerrüde (Bauz), der bereits
1 1/2 Jahre alt war. Er hatte wenig Erziehung genossen und gehörte
vorher einem eher zwielichtigen Junggesellen. Angeblich hatte er den
Hund
sogar schon einmal aussetzen wollen, erfuhren wir später. Ich war
damals erst 5 Jahre alt. Meine Mutter wußte gar nicht, wie ein
Dalmatiner
aussieht und stellte sich darunter einen Beagle vor. Dann kam er mit
seinem
Herrn. Er hatte Temperament für 10 Hunde und begrüßte
uns
alle freudig. Zuerst schickte meine Mutter ihn wieder fort, nahm ihn
aber
nach einer Nacht Bedenkzeit doch, weil er so freundlich war.
Er biß kleine Rüden, streunte, verfolgte Wild, allerdings
ohne es anzugreifen,... kurz er war unmöglich.
Meine Mutter nahm sich die Zeit, mit ihm zu arbeiten, wenn mein
Bruder und ich in Kindergarten und Schule waren. Sie war mit ihm im
Wald
und Parks unterwegs, um ihn zu bewegen und zu erziehen. Es
funktionierte.
Er ließ schon nach kurzer Zeit die kleinen Rüden links
liegen.
Er verließ die Wege im Wald nicht mehr und tat so, als ob er Rehe
nicht sehen würde. Er lernte alles, was unser Hund können
mußte
ohne Probleme. Natürlich klappte nicht alles sofort, aber mit
Geduld
und Liebe dauerte es nicht lange und er war unser edler Ritter. Er
beschützte
mich und meinen Bruder gegen Erwachsene, mischte sich in
Kinderstreitigkeiten
aber nie ein. Er war gutmütig zu kleinen Hunden oder jungen
Tieren,
aber für aggressive, große Raufer ein starker Gegner. Als
ich
mit 9 Jahren ein junges Kaninchen bekam, war er schon 6. Er adoptierte
das Kaninchen, obwohl er vorher keine kannte.
Was also ist an einem gebrauchten Hund auszusetzen? Er hat sogar
viele Vorteile. Man sieht, ob er Krankheiten oder Allergien hat, er ist
bereits stubenrein, man erkennt seinen Charakter.
Nach seinem Tod kauften wir uns einen 3 1/2 Monate alten Welpen.
Wir verzogen ihn bis zum geht nicht mehr, weil er ja noch ein Baby war.
Aber so ein Baby wird größer und die Unarten wachsen mit.
Beim
erwachsenen Hund ist man von Anfang an viel konsequenter. Unser Welpe
wurde
immer verhätschelt und eigentlich nie wirklich erwachsen. Mein
nächster
Hund wird vermutlich wieder ein erwachsener sein. Wenn man sich die
Zeit
nimmt, kann man so den idealen Partner finden.
Kauft man sich einen Welpen, ist man vor Charakterfehlern auch nicht
sicher. Gerade bei Billighunden sind Verhaltensstörungen nicht
selten.
Auch beim Welpenkauf muß man sich den charakterlich passenden
Hund
aussuchen. Das ist beim Erwachsenen noch leichter. Außerdem macht
man beim Welpen oft aus Gutmütigkeit oder Unerfahrenheit
große
Erziehungsfehler, die auch Probleme mit dem später erwachsenen
Hund
schaffen können. Bei schon erwachsenen Hunden paßt man
meistens
besser auf, ist konsequenter in der Erziehung. Sitzt der Welpe auf der
Couch, will er das auch als Erwachsener. Ein Hund, der es im Leben
nicht
gut hatte, ist oft viel anhänglicher und treuer als der selbst
gezogene
Hund, der nichts anderes kennt, als verwöhnt zu werden. Ein
Tierheimhund
ist oft viel dankbarer für die Liebe, die er plötzlich
entgegengebracht
bekommt. Hören Sie nicht auf Menschen, die durch ihre Miesmacherei
nur nach einer Entschuldigung dafür suchen, daß sie selbst
diese
Hunde als zweitklassig einstufen, ohne sie zu kennen. Ein gebrauchter
Hund
ist für diese Menschen einfach nicht gut genug.
Ist denn die Ehre des Hundes befleckt, nur weil er unbedacht
angeschafft
wurde? Ist er weniger wert, weil ein Mensch ihn wegen des Urlaubs oder
einer neuen Freundin ins Tierheim abgeschoben hat? Verurteilen Sie
nicht
den Hund für die Taten, die ihm ein Mensch angetan hat.
Geben Sie einem Hund eine zweite Chance, zu zeigen, daß er
der beste Freund des Menschen ist.
Nina Müller
Dalmatiner in Not
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